STÉPHANE BITTOUN  Regisseur, Autor und Schauspieler
plh

NOMINIERUNG FÜR DEN GEORGE-TABORI-PREIS


INHALT

FESTAKT IM MAXIM GORKI THEATER BERLIN

LAUDATIO gehalten von Jürgen Flügge

anläßlich des Festaktes, am 24.Mai 2012, dem 98. Geburtstag George Taboris.

„Ja, meine Damen und Herren, ich darf als allerersten belobigen: Stéphane Bittoun und seine Gruppe. Wenn ich, lieber Stéphane Bittoun, mit Bewunderung auf Ihr Oeuvre schaue, das Sie in den letzten Jahren geschaffen haben, dann frage ich mich ganz oft: Wie macht der das?! Wie gelingt es ihm, so sinnfällig, elegant, mit Witz, der Weisheit meint, zu produzieren?

Sie wechseln permanent den Erzählstil, Sie zitieren die verschiedensten Genres, Sie lassen Sessel und Turngeräte tanzen. Sie experimentieren mit Projektion und Film. Sie haben gute Schauspieler auf der Bühne, sehr gute. Große Verwandler sind das, sie beherrschen ihr spielerisches Handwerk, was nicht immer selbstverständlich ist heutzutage. Sie erzählen Ihre Geschichten in den seltensten Fällen chronologisch, sondern assoziativ – und dann blenden Sie auch manchmal noch wirkliche Kinofilme ein, schneiden Ihre Schauspieler in diese altbekannten Streifen, zum Beispiel „Der Rote Korsar“ hinein, synchronisieren den Text neu und integrieren das Ganze, das neue Filmwerk dann in Ihre Performance, Ihr Theaterereignis, Ihre Vorstellung, Ihre Show.

Das klingt jetzt alles sehr verwirrend. Aber die Vorstellungen, die ich von Ihnen sehen durfte, im Mousonturm in Frankfurt, haben es trotz – oder gerade wegen der Fülle an Einfällen, dem befremdlichen Umgang mit den Stoffen und dem Erzählten – geschafft, mich und andere Zuschauer in den Bann zu ziehen. Ja, Sie haben Vergnügen bereitet, waren unterhaltend und gleichzeitig auf einem hohen Reflexionsniveau – und das ist bei Ihnen offenbar kein Gegensatz. In

Ihrer letzten Produktion, „Nackt unter Kokosnüssen“, kulminieren alle Ihre eingesetzten Stilmittel zu einem fulminant-ironischen Aussteigerdrama, das oszilliert zwischen dokumentarischem Material, parodistischen Filmcollagen, Erzähltheater und politischer (???). Und wieder habe ich mich gefragt: Wie schafft er, Stéphane Bittoun, das alles zu binden? Materialfülle, diese Bilderflut, diese klugen sperrigen Texte? Ich weiß nicht, wie das geht. Sie haben es aber geschafft. Und wie! Und dafür gratuliere ich Ihnen im Namen des Fonds Darstellende Künste – und natürlich gratuliere ich Ihnen zur Nominierung zum George-Tabori-Preis.“ JÜRGEN FLÜGGE

FOTOS

 

TRAILER

Trailer
Trailer

 

AUDIO

Laudatio
Laudatio
Jürgen Flügge spricht am 24.05.2012 im Maxim Gorki Theater

 

PRESSE

Festakt:
Verleihung des George Tabori Preises im Maxim Gorki Theater Berlin.

MEISTER DER COLLAGE von Patrick Wildermann
Stéphane Bittoun ist der Freibeuter des Frankfurter Offtheater.
Ein Multimedia und Multitaskingkünstler. Er lässt in seinen Arbeiten Fiktion und Dokumentation oft ineinander fallen. Und treibt sein mehrdeutiges Spiel mit wechselnden oder flüchtigen Identiäten. Was in einem Mix aus Sound, Hörspiel, Liveperformance und Projektion aufgeht.
Im Moment widmet sich der Künstler Stéphane Bittoun einem verrückten deutschen Nudisten, August Engelhardt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Papua Neuguinea ging, um Kokosnüsse anzubeten. Bittoun verschränkt in „Nackt unter Kokosnüssen die Sinnsuche mit Yann Martels Roman Schiffbruch mit Tiger, knüpft sich noch den soften Liebesfilm „Die blaue Lagune“ mit Brooke Shields vor und den Piratenklassiker „Der Rote Korsar“ gleich mit.
„Das Wilde Schaf“ collagierte drei französische Filme zu einer Nouvell-Vague-mäßigen Mythenrecherche über Romy Schneider. „Mein erster Sony“ erzählte die Geschichte des Israelis Jotam, der als Chaos-Chronist mit seinem Kassettenrekorder den ersten Sex der Cousine oder den Clash der Generationen auf Familienfeiern festhält. „Undercover Tel Aviv“ verwob auf der Grundlage von Interviews die Lebensentwurfssuche junger Menschen in Tel Aviv mit einer Agentenstory...
Und das Beste an Bittouns Projekten: ihnen liegt nichts zu fern.
DER TAGESSPIEGEL – Sonderbeilage zum George Tabori Preis 2012

Impressum & Datenschutz
b1
b1
b1